Die Waldwiese

Stell dir in Gedanken eine breite Treppe vor, die vor dir beginnt und immer tiefer führt, durch eine schöne Landschaft … Geh langsam die Treppe hinab, Stufe um Stufe … Mit jeder Stufe kann die Ruhe in dir größer werden, Stufe um Stufe … Dein Atem geht, Stufe um Stufe hinab … Du spürst vielleicht, wie dein Atem schon ruhiger und ruhiger wird … Du spürst vielleicht schon die Ruhe in dir … Die Stufen enden auf einer Waldwiese …

 

Bunte Blumen, duftendes Gras … auf das sich schon fast der Schatten der Dämmerung legt …

Eine Biene steigt von einer blauen Blume auf und verschwindet im Himmel … Wo ihr Zuhause sein mag? … Ob sich dort nun alle Bienen versammeln? …

„Die Dämmerung ist schön“, sagt Kunigunde, die neben dich getreten ist.

„Und unheimlich“, meinst du.

„Unheimlich schön“, lächelt Kunigunde.

Auf der einen Seite der Wiese ist über Bäumen die Sonne untergegangen … Auf der anderen Seite steigt nun hinten Bäumen der Mond …

„Aber der Mond ist nicht unheimlich, nur schön“, sagt Kunigunde, die deinem Blick gefolgt ist.

„Ja“, sagst du nur.

Der Mond steigt so langsam, dass du seine Bewegung gar nicht erkennen kannst … Aber du siehst, wie sein Abstand zu den Bäumen langsam größer wird … Nichts kann den Mond aufhalten in seiner langsamen Bewegung … Nichts will ihn aufhalten … Er ist ganz losgelöst vom Tag und von der ganzen Welt …

Hier und da erscheinen erste Sterne …

Die Farben der Blumen und des Grases sind blass geworden – aber ihr Duft scheint stärker als vorher …

Auch die Geräusche scheinen deutlicher zu sein … Es sind die kleinen Geräusche der Stille …

Aus dem Dunkel des Walds tritt ein Reh … Es steht still, schaut zu euch her … prüft die Luft … Nach einer Weile senkt es den Kopf und beginnt zu äsen, frisst vom süßen Gras …

Ihr geht zusammen zum Reh, unterhaltet euch leise auf dem Weg …

„Ist das Reh nicht scheu?“, fragst du, als ihr fast am Waldrand angelangt seid.

„Doch“, antwortet Kunigunde, „aber es kennt mich, und du kommst mit mir zusammen zu ihm.“

Als ihr das Reh erreicht habt, hebt es den Kopf und schaut euch an. Tiefer Friede und unendliches Vertrauen liegt in seinem Blick …

„Guten Abend“, sagt Kunigunde freundlich und berührt leicht das Reh.

Das schnuppert an Kunigunde. Dann senkt es den Kopf und äst weiter …

Du gehst mit Kunigunde ein Stück in den Wald … Erst wird es dunkler – aber als sich deine Augen an das spärliche Licht gewöhnt haben, wird die Welt wieder hell … Es ist eine Zauberwelt …

Das Licht des Monds und der Sterne versilbert die hohen Bäume … Wie freundliche Feen sehen sie aus … Freundliche Feen in einem verzauberten Wald …

Ihr steht ein Weilchen unter dem Dach der großen Bäume und lauscht den Geräuschen der Stille … Du spürst die Stärke und Sicherheit der großen Bäume tief in dir … Es ist etwas, das du immer in dir hast, das keiner dir nehmen kann …

Du spürst die Schönheit und Sicherheit der silbernen Nacht … Und du spürst Kunigunde neben dir, ihre freundliche Anwesenheit … Dir wird noch wohler in ihrer Gegenwart …

Da liegt eine Traummurmel … Du hebst sie auf …

Als du die Augen schließt, bist du zu Hause.

Dein weiches Bett … Wie gut es sich liegt! … Wie wohl du dich in ihm fühlen kannst! …

 

Da liegst du – ganz ruhig. Kannst du die Ruhe in dir spüren? Die Ruhe ist überall in dir … Kannst du spüren, wie schwer du bist? Dein ganzer Körper ist schwer, angenehm schwer … Kannst du spüren, wie warm du bist? Die Wärme strömt durch deinen ganzen Körper. Du bist warm, angenehm warm … Dein Atem geht ein und aus, ein und aus, ganz ruhig und gleichmäßig, ganz von allein … Du bist ruhig, schwer und warm – ruhig, schwer und warm … Die Ruhe trägt dich in die Nacht, hinein in den Schlaf, in freundliche Träume …

 

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Volker Friebel (2020): Gute Nacht – mit Entspannung und Traumreisen. Edition Blaue Felder, Tübingen.

 

 

 

Volker Friebel (2020): Mit Traumreisen entspannen: Das Haus am See. Edition Blaue Felder, Tübingen.

 

 

 

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