Eine neue Heimat

Mach es dir ganz bequem … Während du dich noch räkelst, kannst du schon beginnen, angenehm ruhiger zu werden … Deine Augen können noch offen bleiben und auch zu ruhen beginnen – oder sie können sich schließen und die angenehme Ruhe spüren … Du hörst vielleicht noch Geräusche um dich, im Raum … oder von draußen … Und irgendwann können die Geräusche und jede Bewegung ganz gleichgültig werden … Und du spürst vielleicht schon, wie gut es sich anfühlt, einfach so da zu sein und eine Traumreise zu erleben …

 

Im Gebirge liegt eine Höhle verborgen … Weit geht sie in den Fels hinein, dunkel und kühl. Seit wenigen Tagen ist sie wieder bewohnt: Silas ist hier, Silas, der Bär. Aus den Bergen im Süden wanderte er bis hier herauf, tief hinein ins Gebirge …

Silas tappt von seinem Lager zum Eingang der Höhle und blinzelt ins Licht … Die Sonnenstrahlen kitzeln ihn an der Nase … Prüfend zieht er die Luft ein … Silas riecht die klare Luft des Frühlings … Er setzt eine Tatze vor die Höhle. Und schreitet ganz langsam in seine neue Heimat hinein …

Die weiche Walderde unter sich spüren … Der Sohlengänger nimmt alles um sich herum mit feinen Sinnen auf … Vögel pfeifen in den Wipfeln, die sich langsam begrünen … Zahlreicher sind sie geworden … Ob schon erste Zugvögel aus dem Süden zurückgekehrt sind? … Oder singen die Vögel nur häufiger und schöner, weil sie den beginnenden Frühling spüren? …

In manchen Bäumen raschelt noch das braune, starr gewordene Laub aus dem Vorjahr … Andere Bäume haben schon ihr erstes Grün hinaus in den Sonnenschein geschickt … An manchen schattigen Stellen liegen noch Schneereste. Grau und unansehnlich sind sie geworden …

Silas watet durch einen Waldbach … Das Wasser springt über Steine und Wurzeln zu Tal … Der Bach ist klein, Fische gibt es hier keine … Der Bär geht weiter durch den singenden Wald … Sein Atem strömt ein und aus, ein und aus, ganz ruhig und gleichmäßig, ganz von allein …

Silas spürt, wie dieser Wald ihm vertrauter wird … Mit jedem Atemzug, den er macht, wird er immer mehr ein Teil von ihm selbst … Die jungen Blätter nehmen seinen Atem auf und verwandeln ihn in ihr Grün … in das Grün, mit dem sie die Lichtstrahlen in die Kraft des Lebens verwandeln … Immer mehr vom Atem des Bären geht ein in den Wald …

Eine Maus läuft über seinen Weg, verschwindet im raschelnden Altlaub. Silas schnüffelt an ihrer Spur und freut sich wieder am Duft der schweren Walderde … Überall um ihn herum regt sich das Leben … Er ist einer unter so vielen – und jeder von ihnen ist anders …

Die Maus ist anders als der Baum … Der Vogel ist anders als der Käfer, der auf einem jungen Blatt sitzt und nun seine Flügel ausbreitet und losschwirrt und zwischen den Stämmen verschwindet …

Silas hat sie alle gerne, den Baum, die Maus, den Käfer, den Vogel – und auch den Bach und die Hänge des Berges … Er brummt zufrieden … Hier fühlt er sich wohl …

Silas streift lang um den Berg. Dann tappt er langsam zu seiner Höhle zurück. Morgen wird er seine neue Heimat weiter erkunden … Ob es hier einen See gibt? … Und Bäche mit Fischen? … Ob er Nester von Bienen entdecken kann – und Honig? … Gräser und Wurzeln gibt es genug …

 

Da ist der Höhleneingang! Silas tappt hinein und sucht sein Lager auf … Er macht es sich gemütlich …

Da liegt der mächtige Silas – ganz ruhig. Kannst du die Ruhe von Silas spüren? Die Ruhe ist überall in ihm. – Schwer sind die Tatzen von Silas, ganz schwer. Fühlst du, wie schwer seine Tatzen sind? Der Bär ist schwer, ganz schwer. – Und warm sind die Tatzen von Silas, schön warm. Fühlst du, wie warm sie sind? Die Wärme strömt durch seinen ganzen Körper. Silas ist warm, schön warm. – Sein Atem geht ein und aus, ein und aus, ganz ruhig und gleichmäßig, ganz von allein. – Silas ist ruhig, schwer und warm – ruhig, schwer und warm. – So liegt Silas ein Weilchen und ruht sich aus. Es ruht sich aus und fühlt die Ruhe und die neue Kraft tief in sich wachsen.

 

Und nun kommt die Traumreise langsam zum Ende, und du kehrst zurück in den Raum … Du spürst wieder den Raum um dich und hörst seine Geräusche … Die Ruhe ist weiter in dir. Und die Kraft. Du spürst vielleicht, wie die Ruhe und die Kraft in dir stärker geworden sind … Die Augen können sich wieder öffnen … Atme tief durch! Reck dich und streck dich …

 


Die Traumreise stammt aus dem Buch: Volker Friebel (2015): Mit Traumreisen durch das Jahr.


 

Weitere Fantasiereisen oder Traumreisen des Autors enthalten die folgenden Bücher (ein Klick auf das jeweilige Titelbild führt zur näheren Infos und einem Blick ins Buch bei Amazon, die Bücher sind aber natürlich auch in den anderen Versanden und Buchhandlungen erhältlich):

Volker Friebel (2020): Gute Nacht – mit Entspannung und Traumreisen. Edition Blaue Felder, Tübingen.

 

 

 

Volker Friebel (2020): Mit Traumreisen entspannen: Das Haus am See. Edition Blaue Felder, Tübingen.

 

 

 

Volker Friebel (2016): Im Garten der Amseln. Traumreisen für Kinder. Edition Blaue Felder, Tübingen. PapierBuch und eBuch.

 

 

Volker Friebel (2015): Mit Traumreisen durch das Jahr. 60 Entspannungsgeschichten für Kinder. Edition Blaue Felder, Tübingen. PapierBuch und eBuch.

 

 

 

Ein Präsenz-Kurs, in dem wir Menschen, die mit Kindern arbeiten oder arbeiten möchten  Entspannungspädagogik vermitteln: Entspannungspädagogik für Kinder.

Ein Online-Kurs für Eltern mit einer Traumstunde für Kinder, die auf Fantasiereisen aufbaut: Entspannung für Kinder.

 


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